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Der Haushund (Canis lupus familiaris)
ist ein Haus-, Heim- und Nutztier aus
der Familie der Hundeartigen oder Echten
Hunde (Canidae).
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Systematik |
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Überfamilie: |
Hundeartige (Canoidea) |
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Familie: |
Hunde (Canidae) |
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Tribus: |
Echte Hunde (Canini) |
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Gattung: |
Canis |
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Art: |
Wolf (Canis lupus) |
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Unterart: |
Haushund |
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Wissenschaftlicher Name |
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Canis lupus familiaris |
Fachspezifische Benennungen:

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1 |
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Stop (Absatz zwischen Stirn
und Nase) |
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2 |
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Fang (Maul, Schnauze mit
Lefzen) |
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3 |
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Wamme (Kehle, Kehlhaut) |
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4 |
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Schulter |
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5 |
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Ellenbogen Gelenk |
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6 |
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Vorderfuß |
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7 |
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Kruppe (Hinterteil dort
höchster Punkt) |
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8 |
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Keule (Oberschenkel und
Hüftgelenk) |
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9 |
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Sprunggelenk
(Hinterfußwurzelgelenk) |
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10 |
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Hinterfuß |
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11 |
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Widerrist (höchster Punkt
der Schulter) |
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12 |
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Kniegelenk |
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13 |
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Läufe (Beine mit Pfoten) |
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14 |
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Rute (Schwanz) |
Zähne:
Das
bleibende Gebiss der Hunde hat 42 Zähne.
Es hat in jeder Kieferhälfte 3
Schneidezähne (Incisivi, I), einen Eck-
oder Hakenzahn (Caninus, C) und 4
vordere Backenzähne (Prämolaren, P). Im
Oberkiefer gibt es 2, im Unterkiefer 3
hintere Backenzähne (Molaren, M).
Jeweils einer der Backenzähne ist
besonders kräftig und wird als Reißzahn
(Dens sectorius) bezeichnet. Im
Oberkiefer ist es der P4, im Unterkiefer
der M1, also immer der drittletzte Zahn.
Beide greifen wie eine Schere ineinander
und dienen zum Zerreißen von
Fleischstücken.
Die Zahnstellung ist bei den einzelnen
Hunderassen sehr variabel. Beim
Normaltyp (also dem des Wolfes
entsprechend, z. B. Deutscher
Schäferhund) greifen die Schneidezähne
des Unterkiefers unmittelbar hinter die
des Oberkiefers. Bei kurzköpfigen (brachyzephalen)
Rassen, wie Deutscher Boxer und
Pekinese, ist der Unterkiefer deutlich
länger als der Oberkiefer (Mikrognathie),
so dass die unteren Schneide- und
Eckzähne deutlich vor denen der oberen
stehen (Vorbiss, Brachygnathia superior).
Bei Rassen mit langem und schmalen
Schädel (dolichozephal), wie Barsoi,
Whippet und Collie, sind die
Verhältnisse umgekehrt (Mikrogenie).
Diese Rassen zeigen einen Hinter- oder
Rückbiss (Brachygnathia inferior).
Hunde
werden zahnlos geboren. Die ersten
Milchzähne erscheinen mit den Eckzähnen
ab der 3. Lebenswoche. Mit etwa 6 Wochen
ist das vollständige Milchgebiss mit 28
Zähnen ausgebildet. Der P1 und die
hinteren Mahlzähne besitzen keine
Milchzahnvorgänger. Der Zahnwechsel zum
bleibenden Gebiss beginnt bereits ab dem
dritten Lebensmonat bei den
Schneidezähnen, etwa einen Monat später
brechen P1 und M1 (die ja keinen
Milchzahnvorläufer besitzen, also nicht
wechseln) durch, ab dem fünften die
übrigen. Der Zahnwechsel ist im siebten
Monat abgeschlossen.
Ohren:
Die Leistungsfähigkeit des Ohrs ist hoch
entwickelt. Es kann höhere Frequenzen
wahrnehmen als das des Menschen, im
Idealfall:
* Mensch ~ 20 - 20.000 Hz, maximale
Empfindlichkeit im Bereich zwischen
1.000 bis 4.000 Hz
* Hund ~ 15 - 50.000 Hz (nach anderen
Quellen bis 100.000 Hz), maximale
Empfindlichkeit bei 8.000 Hz
Die beweglichen Ohrmuscheln des Hundes
lassen ihn Geräuschquellen zudem besser
dreidimensional orten als ein Mensch das
könnte. Eine Geräuschquelle kann ein
Hund mit einer Abweichung von maximal 2%
erkennen (beim Menschen ist die
Abweichung größer als 15%). Für die
Bewegung des Hundeohres sind 17 Muskeln
verantwortlich. Selbst Hunde mit
Schlappohren sind in der Geräuschortung
nur knapp den Stehohrigen unterlegen.
Die Ohren sind neben der Hörfähigkeit
auch wichtig als „Signalgeber“ für die
optische Kommunikation, die Stimmung des
Hundes wird so signalisiert. Diese
Signalwirkung ist im sozialen
Zusammenleben der Hunde untereinander
äußerst wichtig. Hier gibt es Probleme
bei besonders langhaarigen und
schlappohrigen Hunden.
Hunde sind im Übrigen auch in der Lage,
über etwa 25 m Infraschallfrequenzen um
die 1 bis 2 Hertz wahrzunehmen.
Augen:
Früher ging der Mensch von der Annahme
aus, dass Hunde nur Graustufen,
"schwarz-weiß" sehen könnten. Nach
genaueren Untersuchungen wurde diese
Meinung revidiert: Hunde sehen Farben -
aber etwas anders als der Mensch.
Das Auge des Hundes enthält wie bei
allen Säugetieren zwei verschiedene
Lichtrezeptoren: die einen, die
Stäbchen, sind für das Sehen von
Graustufen zuständig. Die anderen,
Zapfen genannt, für das Sehen von
Farben. Die Stäbchen sind sehr viel
zahlreicher und benötigen zudem für ein
Signal an das Gehirn viel weniger Licht.
Die Zapfen sorgen für das Farbensehen,
aber nur bei ausreichender Beleuchtung.
Das trifft auch auf den Menschen zu: In
der Dämmerung sehen auch wir nur in
Graustufen. Bei Hunden ist (wie auch bei
den meisten anderen Säugetieren, aber
nicht beim Menschen) der
Augenhintergrund „verspiegelt“ (diese
Schicht wird Tapetum lucidum genannt),
sodass einfallendes Licht vom
Hintergrund des Auges reflektiert wird
und die Stäbchen so noch einmal trifft.
Hunde können in der Dämmerung daher sehr
viel besser sehen als Menschen.
Die Zapfen sind jeweils auf einen
bestimmten Spektralbereich
spezialisiert, beim Menschen sind es 3
unterschiedliche Rezeptoren, für die
Farben Rot, Gelb und Blau, aus deren 3
Farbsignalen das Gehirn den
Gesamtfarbeindruck bildet.
Der Hund hat nur 2 unterschiedliche
Zapfentypen, die für Gelb und Blau
empfindlich sind. Dadurch wird nur ein
Teil des menschlichen Farbspektrums
abgedeckt: Rot ist eine Farbe, die der
Hund nicht kennt. Das Farbensehen der
Hunde ist sogar etwas in Richtung
Ultraviolett verschoben, endet aber
durch den fehlenden Rot-Rezeptor bei
Gelb.

Es gibt aber noch andere, gravierende
Unterschiede: Das Hundeauge ist im
Bereich 430 nm, dem Blaubereich, am
empfindlichsten, das menschliche Auge im
Bereich grün/gelb, 550 nm. Die
Sehschärfe ist vermutlich geringer als
beim Menschen und auf Bewegung
optimiert, stillstehende Dinge werden
durch das Gehirn unterdrückt, also kaum
wahrgenommen. Der Grund dürfte darin
liegen dass sich die Beute des Wolfes
bewegt, sie wird darum optisch
selektiert.
Das Sichtfeld des Hundes ist wesentlich
größer als das des Menschen, es beträgt
etwa 240 Grad im Gegensatz zu 200 Grad
bei Menschen. Der Bereich, in dem Mensch
und Hund dreidimensional sehen können,
ist mit 120 Grad gleich groß.
Nase:
Die Nase, das Riechorgan des Hundes, ist
wesentlich empfindlicher als beim
Menschen. Grob zu erkennen ist das schon
an der Anzahl der Riechzellen, wobei es
aber zwischen den Hunderassen erhebliche
Unterschiede gibt. Ganz grob kann man
sagen: Je länger die Hundeschnauze,
desto besser das Riechvermögen. So hat
z. B. der Mensch 5 Millionen
Riechzellen, der Dackel 125 Millionen
und der Schäferhund 220 Millionen. Für
seine Riech- und Spürfähigkeiten ist der
Bloodhound als "Nonplusultra" bekannt.
Zur Beurteilung der Riechleistung reicht
das aber bei Weitem nicht aus: Messungen
haben ergeben, dass das Riechvermögen
des Hundes etwa eine Million mal besser
ist als das des Menschen. Der Hund kann
in kurzen Atemzügen bis zu 300 mal in
der Minute atmen, so dass die
Riechzellen ständig mit neuem "Material"
versorgt werden.
Das wichtigste „Riechorgan“ ist das
Gehirn, hier werden die eintreffenden
Daten verarbeitet und ausgewertet. Dabei
ist zu beachten, dass Hunde „Stereo"
riechen können, die Nase kann also
„rechts und links" differenzieren,
ähnlich wie beim Sehen. Auf diese Weise
ist der Hund fähig, die Richtung einer
Spur zu beurteilen und selbst eine alte
Spur zu verfolgen. Das Riechhirn ist im
Vergleich zum Menschen riesig: Allein
10% des Hundehirns ist dafür zuständig,
beim Menschen sind es nur 1 %. Der
Mensch nutzt diese besondere Fähigkeit
des Hundes als Spürhund in vielen
Bereichen. Bei dieser Fähigkeit muss
unterschieden werden zwischen der
„mechanischen“ Spur und der Duftspur.
Heute ist es üblich, den Hund (im
speziellen Hundesport: z. B. Schutzhund)
auf die mechanische Spur zu trainieren,
also auf den Geruch von Verletzungen des
Erdbodens, wie geknickte Pflanzen und so
weiter. Eine kreuzende, zur gleichen
Zeit angelegte Spur kann so zu einer
Fehlsuche führen, da beide Spuren
gleichwertig für den Hund sind. Für die
Fährtenarbeit der Polizei ist diese
Vorgehensweise untauglich. Hier werden
die Hunde auf die Geruchsspur trainiert,
also das verstärkt, was der Hund auch
natürlich machen würde. Diese Spur
driftet aber durch äußere Einflüsse wie
durch den Wind von der „mechanischen“
Spur ab, sammelt sich an windstillen
Stellen, wird an windigen Ecken stark
verdünnt. Die Spur ist für den Hund
eindeutig, weil jeder „Duftspender“ eine
eindeutige „Geruchsfarbe“ hat. Sehr gute
Spürhunde können eine solche Spur noch
nach Tagen eindeutig aufnehmen und
verfolgen, auch mitten durch eine Stadt,
mitten durch viele parallele und
kreuzende Fremdspuren.
Hunde „schmecken“ Gerüche auch über das
Jacobsonsche Organ (Vomeronasalorgan),
welches sich im Gaumen befindet. Dieses
transportiert die aufgenommene
Information sofort an das Limbische
System. Es ist für die Entstehung von
Gefühlen, das Triebverhalten und für die
Bildung von Hormonen verantwortlich.
Fortpflanzung:
Der Eintritt der Geschlechtsreife wird
beim weiblichen Hund durch die erste
Läufigkeit gekennzeichnet, die im Alter
von 7 bis 11 Monaten auftritt. Rüden
erlangen ihre sexuelle Kompetenz in etwa
dem gleichen Alter. Kleinere Hunde
werden im Allgemeinen früher
geschlechtsreif als Hunde großer Rassen.
Hunde unterliegen einer ausgeprägten,
etwa halbjährlichen Brunstperiodik. Mit
einem durchschnittlichen
Läufigkeitsintervall von 5 bis 7 Monaten
zählen sie zu den saisonal diöstrischen
Tieren.
Der Sexualzyklus ist in 4 Phasen
unterteilt. Mit dem Beginn der Vorbrunst
(Proöstrus) kommt es zu einem
Anschwellen der Vulva und dem Austritt
von blutigem bis fleischwasserfarbigem
Sekret, welches die Hündin für Rüden
attraktiv macht. Eine Deckbereitschaft
ihrerseits ist jedoch noch nicht
gegeben. Die Dauer der Vorbrunst beträgt
- individuell unterschiedlich - 4 bis 21
Tage. Ihr schließt sich die Brunst (Östrus)
an, welche von Deckbereitschaft der
Hündin und Fruchtbarkeit gekennzeichnet
ist. Der Scheidenausfluss wird heller
und die Hündin „präsentiert“ sich den
Rüden. Die Phase der Brunst beträgt 2
bis 12 Tage. Zusammen mit der Vorbrunst
wird sie als Läufigkeit bezeichnet.
Hieran schließt sich der Metöstrus an,
in dessen Verlauf über eine Dauer von
9-12 Wochen Rückbildungs- und
Regenerationsvorgänge an der Gebärmutter
erfolgen. In der vierten Phase (Anöstrus)
fehlt jegliches Anzeichen sexueller
Aktivität. Dieser Abschnitt dauert 2 bis
6 Monate.
Beim Deckakt des Hundes kommt es zum
bemerkenswerten Verhalten des „Hängens“.
Auf die Penetration der Hündin hin kommt
es zu einer starken Anschwellung des
sogenannten „Knotens“ (anatomisch Bulbus
glandis) des Rüden, welcher die
verdickte Basis der Eichel mit einem
Schwellkörper darstellt. Dies hat den
Effekt, dass der Penis „verkeilt“ wird
und sich die beiden Tiere nicht
voneinander trennen können. Folglich
steigt das männliche Tier nach der
Ejakulation von seiner Partnerin
herunter und dreht sich im Regelfall um
180°, sodass beide Tiere über eine Dauer
von bis zu 30 Minuten mit den
Hinterteilen einander zugewandt
verbunden bleiben.
Die durchschnittliche Trächtigkeitsdauer
der Hündin beläuft sich auf 63 bis 65
Tage, die Anzahl der Welpen schwankt
etwa zwischen 3 und 12 Tieren.
Sozialisation:
Auch bei Hunden wird der Begriff
Sozialisation verwendet, um die Prägung
auf Umweltreize während der ersten
Lebensmonate zu beschreiben. Nur gut
sozialisierte Hunde können später gut
sozialverträgliche Hunde werden. Die
folgenden Punkte sollte jeder
Hundehalter mit seinem Welpen beachten:
* Sozialisation mit Artgenossen
(Erlernen zwischenhundlicher
Kommunikation)
* Sozialisation mit anderen Tieren
(Katzen, Meerschweinchen, Vögel, Pferde
usw.)
* Sozialisation mit fremden Menschen
* Gewöhnung an Umweltreize wie
Martinshorn, Fahrradklingeln, Flugzeuge,
Knallgeräusche (Silvesterknaller) sowie
Gewöhnung an Menschenansammlungen,
Verkehrsgetümmel usw.
Die Entwicklung jedes Hundes wird
überwiegend von seiner Sozialisation und
Erziehung bestimmt. Unzureichend
sozialisierte Hunde haben
Schwierigkeiten, sich in ihrer Umwelt
zurechtzufinden. Sie neigen zu
ängstlichem oder aggressiven Verhalten
und anderen Verhaltensstörungen. Ein
sorgfältig sozialisierter Hund hingegen
hat gelernt, friedfertig und
aufgeschlossen mit fremden Personen,
Kindern und anderen Haustieren
umzugehen. Die wichtigste
Sozialisierungsphase des Hundes
erstreckt sich in etwa von der zweiten
bis zur 15. Lebenswoche. Viele
Hundevereine bieten entsprechende Kurse
an, die „Welpenspielstunden“ oder
„Prägungsspieltage“ genannt werden. Eine
zweite wichtige Sozialisierungsphase ist
die Pubertät. Neben der allgemeinen
Sozialisation auf Umweltreize kann
problematisches Verhalten auch durch
ungünstige Lernerfahrungen in einzelnen
Bereichen (z.B. Balljunkie) entstehen.
Lebenserwartung:
Grundsätzlich werden kleine Hunde älter
als große. So können Rassen wie der
Dackel ein Alter von bis zu 15 Jahren
erreichen, in Ausnahmefällen gar 20
Jahre. Größere, schwere Rassen, wie etwa
die Deutsche Dogge werden kaum älter als
9 Jahre. Laut Guinness-Buch der Rekorde
liegt der Rekord, den ein
Mischlingshund, der in Australien als
Schäferhund arbeitete, erreichte, bei 29
Jahren.
Abstammung:
Es ist mittlerweile erwiesen, dass sich
der Haushund aus dem Wolf entwickelt
hat. Noch bis vor kurzem hielt man den
indischen Wolf (Canis lupus pallipes
oder Canis lupus lupaster) für den
Stammvater, dessen Äußeres dem einiger
anderer Hunderassen ähnlich erscheint.
Inzwischen wurde genetisch der gemeine
graue Wolf (Canis lupus lupus) als
Urvater bestätigt. Damit scheidet auch
die indische Unterart als möglicher
Stammvater aus. Untersuchungen der
Mitochondrien-DNA von Wölfen und Hunden
in den USA zeigten, dass die genetischen
Unterschiede zwischen verschiedenen
Wolfpopulationen durchschnittlich 0,16%
betrugen. Der genetische Unterschied
zwischen Wolf und Kojote betrug etwa
3,1%, der Unterschied zwischen Hund und
Wolf (Grauwolf) dagegen nur 0,2 %.
Die auf Konrad Lorenz zurückgehende
Vermutung, dass der Haushund vom
Goldschakal (Canis aureus) abstammt,
gilt durch diese Forschungen sowie die
Untersuchungen von Erik Zimen und Alfred
Seitz als überholt.
Hunde und Wölfe:
Hunde und Wölfe sind auch miteinander
fruchtbar.
In seinem Buch "Der Hund" beschreibt der
Verhaltensforscher Erik Zimen
ausführlich seine langjährigen
vergleichenden Beobachtungen an
Königspudeln und Wölfen sowie an deren
Mischlingen (den sog. Puwos) und an den
Nachkommen aus der Verpaarung von „Puwo“
mit „Puwo“.
Auch in der Praxis der Hundezucht wurde
immer wieder versucht, Hunderassen durch
das Einkreuzen von Wölfen zu
„verbessern“, wie beim Saarloos-Wolfhund,
beim Tschechoslowakischen Wolfhund und
in Italien mit dem Lupo Italiano. Die
Erwartungen konnten bei allen diesen
Versuchen nicht erfüllt werden.
Bisher ging man davon aus, dass die
Verhaltensunterschiede zwischen Wolf und
Hund zu groß seien, als dass es in der
freien Natur zu Mischpaarungen kommen
könne. Ein zusätzliches Hemmnis ergibt
sich aus den Fruchtbarkeitszyklen:
Wolfsrüde und Wölfin sind nur einmal im
Jahr fruchtbar. Dies unterscheidet vor
allem den Wolfsrüden vom Rüden des
Haushunds.
Trotzdem kam es beispielsweise 2004 bei
nach Deutschland eingewanderten Wölfen
zu einer Verpaarung mit einem Hund, weil
die Wölfin keinen Partner fand.
Domestikation:
Die Klärung der Abstammung des Hundes
vom Wolf warf gleichzeitig die Frage
nach dem Alter unserer Hunde neu auf:
Aufgrund diverser Knochenfunde waren die
Hundeforscher bislang überzeugt, die
Zähmung und Domestizierung der
Rudeltiere hätte vor 14.000 bis 18.000
Jahren stattgefunden (Ende des
Pleistozän). Genetische Studien deuten
auf mehrere, voneinander unabhängige
Domestikationen.
Archäologische Befunde:
Aus der spätpaläolithischen Fundstelle
Eliseevichi 1 in der zentralrussischen
Ebene (Region Brjansk) sind Hundeknochen
bekannt, die auf 13.000–17.000 BP
datiert werden. Die Fundstelle liegt im
Dnjepr-Tal am Sudost, einem Nebenfluss
der Desna. Die Fauna wird durch
Mammutknochen (Mammuthus primigenius)
dominiert und datiert in die letzte
Stufe der Waldaj-Eiszeit. Kulturell wird
sie dem Epi-Gravettien zugerechnet. Die
Siedlung wurde zwischen 1930–40 durch K.
M. Polikarpovitch ausgegraben. Zwischen
1935 und 1936 wurden zwei komplette
Hundeschädel ergraben (MAE 447/5298, ZIN
23781/24). Der erste lag an einer
Herdstelle, ein weiterer in einer
Behausung aus Mammutknochen. Die Hunde
hatten eine kurze Schnauze und waren
etwa 70 cm hoch.
Ein altes Skelett eines morphologisch
domestizierten Hundes stammt aus dem
Doppelgrab von Oberkassel, das dem
Magdalénien zugerechnet wird.
Seit dem Mesolithikum sind
Hundebestattungen üblich, zum Beispiel
in der skandinavischen Ertebølle-Kultur
(Skateholm).
Genetik:
Doch dann widerlegte eine genetische
Studie - publiziert in der
wissenschaftlichen Zeitschrift Science -
diese Thesen. Durch eine Erbgutanalyse
von Hund und Wolf sind schwedische und
amerikanische Evolutionsbiologen zur
Überzeugung gelangt, dass der Ur-Hund
zwar tatsächlich vom Wolf abstammt, doch
schon vor rund 135.000 Jahren geboren
worden ist, womit er rund zehnmal älter
wäre, als bislang angenommen.
Traditionelle Hundeforscher zeigten sich
- nicht ganz überraschend - von der
neuen Studie brüskiert. „Ich halte es
für unwahrscheinlich, dass die Wölfe
schon so früh domestiziert wurden“,
sagte der Schweizer Kynologe und
Buchautor Hans Räber. „Man müsste
archäologische Funde haben, und die
haben wir nicht.“... „Und nicht einmal
bei den ältesten, rund 14.000 Jahre
alten Ausgrabungen“, so Räber, „sei es
immer klar, ob es sich um Wölfe oder
Hunde handle“.
Joakim Lundeberg vom Königlichen
Technologie-Institut in Stockholm, einer
der Autoren der genetischen Studie, ist
da anderer Meinung: „Die frühen Menschen
waren nomadische Jäger und Sammler“,
sagte der Biochemiker. „Weil damals
keine Friedhöfe existierten, sei es
nicht zwingend, Hundefossilien neben
solchen von Menschen zu finden.“
Eine interessante Idee vertritt Gregory
Acland, Veterinär an der Cornell
University in Ithaca, USA. Er meint,
dass nicht der Mensch auf den Hund kam,
sondern umgekehrt. Schenkt man ihm
Glauben, verfügte der damalige Mensch
noch gar nicht über die intellektuellen
Fähigkeiten, den Hund zu domestizieren,
da er selbst „noch nicht vollständig
domestiziert“ war. Der frühe Hund fand
in der Nähe des Homo sapiens eine
ökologische Nische und „verhaustierte“
sich so selbst. Er profitierte von den
Abfällen, die in der Nähe der Menschen
für ihn abfielen und machte sich
seinerseits nützlich, indem er „seine“
Menschen vor Feinden warnte und
beschützte und auch bei gemeinsamen
Jagdausflügen hilfreich war. Dieser
Theorie nach handelte es sich also von
Anfang an um eine Art Symbiose. Der Homo
sapiens wanderte jedoch erst vor 100.000
Jahren im Nahen Osten ein, und konnte
dort mit Wölfen in Kontakt geraten, so
dass es auch denkbar wäre, dass der Wolf
sich zuerst an die Lagerstätten der
Neandertaler gesellte. Nichtsdestotrotz:
Jahrzehntausende (vor 35.000 Jahren)
danach brachten Menschen den
hundeähnlichen Wolf nach Europa. Das
äußere Erscheinungsbild des Hundes blieb
lange wolfsähnlich, weshalb sich auch
keine „hundstypischen“ Knochenfunde aus
dieser Zeit finden. Erst als der moderne
Mensch sesshaft wurde, begann er den
Hund züchterisch gezielt nach seinem
Nutzwert zu verändern.
Nach einer anderen und von Dr. Roos, dem
wissenschaftlichen Leiter der
Haustierbiologischen Station
Wolfswinkel, vertretenen Theorie schloss
sich der Wolf keinesfalls freiwillig dem
Menschen an, da er sich selbständig
wahrscheinlich viel besser hätte
ernähren können. Dr. Roos nimmt an, dass
die frühen Menschen manches Mal selber
hungerten und ihre Fleischabfälle kaum
zur Ernährung der Wölfe ausreichten.
Wahrscheinlich aber holten sich diese
Menschen Jungtiere als Fleischvorrat in
ihre Gruppe und wiederholten dies je
nach Bedarf, da sich die Wildtiere
wahrscheinlich nicht unter diesen
Bedingungen der Gefangenschaft
vermehrten - wie ja auch aktuell immer
noch von verschiedenen Zootieren
bekannt. Dem Menschen kam aber zugute,
dass es unter diesen Wildtieren hellere
Farbvarianten gab - z. B. weiße Tiere,
die auch heute noch in bestimmten
Kulturen als heilig angesehen werden
(Beispiel: weißer Elefant in Indien),
oder Tiere mit hellen Flecken. Diese
Farbvarianten beruhen auf einer
genetischen Information, die ebenfalls
dafür sorgt, dass weniger Adrenalin
gebildet wird. Also waren dieser Tiere
ruhiger und weniger schreckhaft als ihre
normalfarbigen Verwandten, sie litten
weniger unter Stress und konnten sich in
Gefangenschaft vermehren. Ende des 20.
Jahrhunderts wurden auf Grund dieser
Erkenntnisse in Deutschland Hirsche
erfolgreich domestiziert.
Die Domestikation des Hundes ist
einzigartig weit entwickelt. Er ist das
Tier geworden, das am besten mit dem
Menschen kommunizieren kann.
Untersuchungen am Max-Planck-Institut
für evolutionäre Anthropologie in
Leipzig wiesen nach, dass Hunde schon
genetisch bedingt menschliche Zeichen
interpretieren können, die selbst
Menschenaffen erst nach langem Training
lernen.
Zucht:
Im Verlauf der Mensch-Hund-Beziehung
haben sich, regional und nach den
Umwelt- und Lebensbedingungen,
unterschiedliche Hunderassen
herausgebildet. Der Mensch hat es
verstanden, den Hund für
unterschiedliche Aufgaben durch Züchtung
und entsprechende Hundeerziehung zu
nutzen. Die Fédération Cynologique
Internationale (FCI) ist die größte
internationale Dachorganisation, unter
deren Führung nationale Gruppierungen
die Standards der unterschiedlichen
Hunderassen festlegen.
Einteilung der Zuchtrassen:
Vornehmlich nach ihrem Verwendungszweck
werden folgende Hundetypen
unterschieden:
* Hütehunde (beispielsweise Altdeutsche
Hütehunde, Collie, Border Collie),
Treibhunde (beispielsweise Appenzeller
Sennenhund, Rottweiler), Hirtenhunde
(beispielsweise Kuvasz) und
Herdenschutzhunde (beispielsweise
Maremmano).
* Haushunde im engeren Sinne
(beispielsweise Landseer, Neufundländer,
Leonberger, Berner Sennenhund) und
Hofhunde (beispielsweise Hovawart,
Entlebucher Sennenhund).
* Stallhunde (beispielsweise Pinscher
und Schnauzer) und Wachhunde
(beispielsweise Deutscher Spitz).
* Gesellschaftshunde (beispielsweise
Havaneser, Papillon) und Begleithunde.
* Jagdhunde für unterschiedliche
Jagdarten und Beutetiere darunter
Schweißhunde, Stöberhunde, Vorstehhunde
und Retriever und Erdhunde und Bracken
sowie Laufhunde (beispielsweise
Windhunde wie der Azawakh).
Daneben sind weitere unsystematische
Bezeichnungen wie Arbeitshunde
beziehungsweise Gebrauchshunde,
Kampfhunde, Schutzhunde, Wachhunde,
primitive oder ursprüngliche Hunde bis
hin zu Schoßhunden üblich.
Eine kynologische Systematik der
Hunderassen wird von der Fédération
Cynologique Internationale (FCI)
gepflegt, die derzeit 336 Rassen
anerkennt (Stand: 12/2005). Diese
Systematik ist allerdings sehr
willkürlich und berücksichtigt nicht den
Grad der genetischen Verwandtschaft
zwischen den einzelnen Rassen. Im
FCI-System werden alle anerkannten
Hunderassen in 10 Gruppen eingeteilt,
die wiederum in verschiedene Sektionen
unterteilt sind:
* Gruppe 01: Hütehunde und Treibhunde
(ausgenommen Schweizer Sennenhunde) [1];
* Gruppe 02: Pinscher und Schnauzer -
Molossoide - Schweizer Sennenhunde und
andere Rassen [2];
* Gruppe 03: Terrier [3];
* Gruppe 04: Dachshunde [4];
* Gruppe 05: Spitze und Hunde vom Urtyp
[5];
* Gruppe 06: Laufhunde, Schweißhunde und
verwandte Rassen [6];
* Gruppe 07: Vorstehhunde [7];
* Gruppe 08: Apportierhunde -
Stöberhunde - Wasserhunde [8];
* Gruppe 09: Gesellschafts - und
Begleithunde [9];
* Gruppe 10: Windhunde [10].
Daneben gibt es in der FCI-Systematik
eine Reihe so genannter vorläufig
angenommener Rassen [11].
Außerhalb dieser Systematik gibt es noch
über hundert weitere, jedoch von der FCI
nicht anerkannte Rassen sowie eine Reihe
als ausgestorben geltender Rassen wie
Basset d'Artois, Braque Belge und
Harlekinpinscher, die aus der
FCI-Systematik gestrichen wurden.
Neben den eigentlichen Hunderassen gibt
es auch noch Bastarde beziehungsweise
Mischlinge und verwilderte Haushunde,
wie beispielsweise der Dingo (Canis
lupus f. dingo). |